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Geschrieben von Olivaro am 02.11.2014 um 23:14:

Bibliothek des Hauses Usher Bd. 18: Der Griff aus dem Dunkel von Algernon Blackwood



Der Griff aus dem Dunkel

Gespenstergeschichten

von Algernon Blackwood

Aus dem Englischen von Friedrich Polakovics

Titelillustration von Hans Ulrich & Ute Osterwalder

258 Seiten

Bibliothek des Hauses Usher Bd. 18

Erschienen 1973 im Insel Verlag



Inhalt:

1. Das Haus der Verdammten

2. Die bergabe

3. Am ersten Abend im Mai

4. Jones' Wahnidee

5. Im Banne des Schnees

6. Der Fall Pikestaffe

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He stood in the cold, listening to the rain hiss faintly on the fallen leaves, wishing he could stand there forever, that time would cease its motion and this moment would never pass. (Darrell Schweitzer, Clocks)


Geschrieben von Olivaro am 10.02.2020 um 20:22:

Ein Kurzroman und fünf Erzählungen werden in diesem Band vereint. Da gibt es ein geheimnisvolles Mädchen, das den Schnee liebt und Kirchen meidet, und fast zu spät merkt der Engländer Hibbert, wem er da stundenlang durch die mondbeschienene Bergwelt gefolgt ist. Oder die gesetzte Miss Speke, deren mysteriöser Mieter Mr. Thorley es sich in einer anderen Dimension bequem macht.

Kernstück jedoch ist die über 100 Seiten umfassende Erzählung "Das Haus der Verdammten". Der Erzähler wird mit seiner Schwester von deren Freundin auf den Besitz The Towers eingeladen, weil dort etwas "nicht in Ordnung" sei. Dort angekommen, stellt man eine ungute Atmosphäre fest, ohne deren Ursprung benennen zu können, und die sich konstant verdichtet. Das ist sehr eindringlich und atmosphärisch dicht erzählt, aber nicht nur die drei Bewohner warten darauf, "dass etwas passieren" möge. Es gibt Sequenzen, die sehr bedrohlich sind (wie des Erzählers Erkennen des "Troll-Gartens"), und eigentlich steuert die ganze Erzählung auf einen grauenvollen Höhepunkt zu; erst recht, nachdem man zumindest eine Ahnung davon hat, woher dieses latente Bedrohung stammt: The Towers wurde über die Jahre wechselnd von Männern bewohnt, deren Bigotterie, Intoleranz und Fanatismus sich als unsichtbare und negative Schichten abgelegt haben und diese kranke Stimmung verursachen. Der Erzähler fragt zurecht: "Aber weshalb geschieht dann überhaupt nichts... Ein dermaßen besessener Ort müsste doch eine Unzahl der außergewöhnlichen Vorfälle produzieren." Ja, denkt man, tut er aber nicht, der Ort. Und wenn der Leser sich dem vermeintlichen Höhepunkt der Erzählung nähert, wird er dort mit einem Antiklimax enttäuscht: The Towers wird plötzlich verkauft, und der neue Besitzer, ein wahrer Pool an positiven menschlichen Eigenschaften, egalisiert mit seiner bloßen Anwesenheit all die bösen Einflüsse der vergangenen Jahrzehnte. Das war's. Kopfkratzen

Die stimmigste Erzählung ist "Am ersten Abend im Mai", die berichtet, was dem einsamen Wanderer in der Heide passieren kann. Es gibt schöne Schilderungen von Landschaft und dem Übergang vom Nachmittag über den Abend bis zum Einbruch der Finsternis - und auch von Begegnungen und Wahrnehmungen, die nicht das sind, was sie erscheinen. Und auf der Suche nach dem alten Schäfer Tom und seiner Hütte, gerät der Erzähler in eine Art Abendgesellschaft, die ihn höflich, aber spöttisch-herablassend behandelt und ihn mit kryptischen Bemerkungen verwirrt. Erst spät gelangt er schließlich zum Herrenhaus, seinem eigentlichen Ziel und erhält Auskunft, wem er da begegnet ist an diesem ersten Abend im Mai. Es ist keine "typische" Gespenstergeschichte, sondern eine oft schwärmerische Erzählung über die Schönheit und auch Tücken der Natur und deren Bewohnern, irdischen - und anderen.

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He stood in the cold, listening to the rain hiss faintly on the fallen leaves, wishing he could stand there forever, that time would cease its motion and this moment would never pass. (Darrell Schweitzer, Clocks)


Geschrieben von Zwielicht am 11.02.2020 um 09:32:

Danke für die Erinnerung. Den Band habe ich, wenn auch in einer anderen Auflage, und den wollte ich eigentlich schon in Angriff genommen haben. Dein Post nehme ich mal als Aufforderung das zu tun.

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Fantastic Pulp
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