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John-Sinclair-Forum ::: Gruselroman-Forum » Roman-Serien » Professor Zamorra » PZ1001-heute » Band 1167: Ophelias Rache
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Michael Michael ist männlich
Administrator




Dabei seit: 22.11.2007
Beiträge: 4658

12.02.2019 20:14
Band 1167: Ophelias Rache
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Der Speer stach in seine Richtung, und nur ein beherzter Sprung zur Seite bewahrte Ted Ewigk davor, aufgespießt zu werden. Er hechtete hin und her, doch seine Gegner waren ebenso schnell und wendig. Und sie waren römische Soldaten aus der Antike, was absolut keinen Sinn ergab. Wo in aller Welt waren sie hergekommen? Ted überwand seine Verblüffung. Er wirbelte herum und versuchte, einen weiteren Angriff abzuwehren. Doch er war nicht schnell genug. Eine Speerspitze erwischte ihn an der Seite. Kaltes Eisen schnitt durch seine Kleidung und in sein Fleisch. Ted schrie auf. Die Römer hatten ihn umzingelt. Es gab kein Entkommen ...

Geschrieben von Anika Klüver
Erscheinungstag: 19.2.2019

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Wenn die Süße des geringen Preises verflogen ist, die Bitterkeit minderer Qualität wird bleiben.

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115026
Icho Icho ist männlich
Mitglied




Dabei seit: 18.02.2018
Beiträge: 43

20.02.2019 18:06
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Ein weiterer Roman von Anika Klüver....und auch der gefällt mir sehr gut.
Die Geschichte spielt in London mit Mysati und Ted und füllt die Lücke von Band 1166 in der Zamorra erwähnt das die Beiden sich in London befinden und auch einem Fall auf der Spur sind.
Im Grunde behandelt der Roman eine klassiche Geistergeschichte samt einer unglücklichen amour four zwischen einem Künstler und seiner Muse und späteren Geliebten/Ehefrau im 19. Jahrhundert die in der Gegenwart leider ihre Fortsetzung findet.
Intensiv in Szene gesetzt pendelt der Roman zwischen Vergangenheits -und Gegenwartspassagen bis zu seinem unkitschigen

.
Natürlich könnte man sich jetzt wieder über Kommisar Zufall und eine Ungereimtheit mockieren, aber der Roman hat mir in seiner unaufgeregten Intensität (ist das ein Widerspruch?) so gut gefallen, das ich das glatt überlese.
Und weil diesmal definitv keine Amulette vorkommen.....9/10 Amuletten groes Grinsen

__________________
PR, PZ, MX und quer durch den Grusel-Garten
Racing is life, anything that happens before or after is just waiting

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115224
Spätaufsteher Sptaufsteher ist männlich
König




Dabei seit: 17.06.2017
Beiträge: 760

11.03.2019 16:02
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Ich fühlte mich vom Roman auch sehr gut unterhalten. Wichtig ist es, auch den einen oder anderen Roman ohne ein neues Amulett einzustreuen. Wird sonst unübersichtlich und langweilig. Wie viele sind das mittlerweile eigentlich?
Diese Story ist erfrischend anders. Besonders dieses ungewöhnliche Konzept, die Hauptfigur Zamorra nicht mitspielen zu lassen, hat mich überzeugt. Bei Sinclair wird das von einigen Lesern immer mal wieder gefordert. Wenn man das so löst wie hier, gebe ich meine Zweifel auf und sage: Warum nicht?
Dieser Fall spielt zeitgleich mit dem letzten Band 1166. Hier bekommt man den Anruf von Ted bei Zamorra von der anderen Seite zu lesen. Tolle Idee und wie in letzter Zeit fast immer, haben mir die Vergangenheitspassagen am besten gefallen.

Kurze Anmerkung zu Mysati: Sie ist einfach eine coole Socke und ich mag ihre teils taktlos wirkende Art. Die Eifersucht auf eine andere Frau(Geist) ist dann aber wieder überraschend normal und witzig. (S.42)
Für Frau Klüver wieder 8/10 Amuletten smile

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115734
Das Gleichgewicht Das Gleichgewicht ist männlich
Team




Dabei seit: 24.09.2008
Beiträge: 8937

13.03.2019 18:30
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Ted und Mysati haben erst kürzlich mit Zamorra zusammen einen Fall gelöst. Da haben sich die beiden doch eine kleine Pause verdient. Der erfahrene Heftromanleser weiß natürlich, was bei solchen „Urlaubsromanen“ passiert.

Mysati schlägt die Tate Britain als nächste Station ihrer London-Reise vor. Zufällig ist ausgerechnet dort letzte Macht ein mysteriöser Mord geschehen und so nimmt das Abenteuer seinen üblichen Lauf.

Vor der Polizeiabsperrung fällt ihnen zufällig die Museumskuratorin auf, welche die Leiche am Morgen entdeckt hat. Man unterhält sich neugierig „doch die Polizei war bereits an dem Fall dran. Und so schrecklich dieser Mord auch war, er gehörte in die Hände der Behörden und nicht in die eines ehemaligen Geisterreporters und seiner übereifrigen Gefährtin.“

Vernünftige Einstellung! Trotzdem lässt der Reportereifer Ted keine Ruhe. Dann geht ihm auch noch seine Gefährtin auf die Nerven, weil sie den Fall unbedingt lösen will. Also schaut man sich den Tatort mal an.

Mit ihrer Magie kann Mysati das Sicherheitssystem überwinden. Und sicher auch die Überwachungskameras austricksen, vermute ich mal? Im Gebäude treffen sie dann auf die Geistererscheinung, die auch den Museumswächter umgebracht hat. Schon werden Figuren aus den Gemälden gefährlich lebendig. Und Ted hat seinen Dhyarra nicht dabei, weil er im Urlaub nicht damit gerechnet hat, ihn einsetzen zu müssen. Naja, der Machtkristall ist jetzt keine Pistole oder ein Schwert, den kann er zur Sicherheit ruhig überall mit hinnehmen. Egal, Mysati kann ihn vor den Römischen Soldaten retten.

Also ist an der Sache doch mehr dran. Ein Anruf bei Zamorra liefert leider nicht die erwünschte Rückendeckung. Wie wir aus dem letzten Heft wissen, ist er zeitgleich mit einem eigenen Fall beschäftigt. Jetzt erleben wir die Szene von der anderen Seite der Telefonleitung aus. Nett.

Myssati recherchiert derweil ein wenig herum. Und mir fällt auf, dass die Tate schon vorbelastet ist. Adrian Doyle schrieb damals einen seiner tollen Historienplots über Arsenius Hall. Dort ging es um das Gefängnis, das sich davor an der Stelle befand und das Museum, das schließlich bewusst zu einem bestimmten weißmagischen Zweck darauf errichtet wurde. An mehr Details erinnere ich mich nicht mehr, aber dass ich mich überhaupt noch an die Geschichte erinnere...da nehme ich mir kurz einen Moment, mich zu freuen.

Jedenfalls widersprechen sich die beiden Romane dadurch leider. PZ bietet ein grandioses Mystery-Universum. Klar, dass nicht jeder Autor ältere Hefte seiner Kollegen kennt. Ein gewaltiger fehlerfreier Serienkosmos ohne solche Kleinigkeiten bleibt meine Traumwelt einer Romanserie.

Sie kommen der Geisterfrau langsam auf die Spur. Ein Gespräch mit der Kuratorin vom Anfang des Abenteuers liefert weitere Informationen. Schließlich kann man sich daran machen, den Geist bewusst zu beschwören.


Dafür muss ich jetzt aber wirklich die eingeschobenen Vergangenheitspassagen aus dem London der 1850er Jahre erwähnen. Die naive Hutverkäuferin Lizzie lernt einige Künstler kennen und träumt davon, bald als Gemälde in Kunstgallerien zu hängen. Als sie Monate später in einer Wanne mit erkaltetem Wasser stundenlang bewegungslos Model liegt, überlebt sie die folgende Lungenentzündung gerade so.

Aber ihren Traum verfolgt sie noch weiter. Nun möchte sie selbst malen und nimmt die Chance an, von einem Maler unterrichtet zu werden, auf den sie schon immer ein Auge geworfen hat. Die beiden werden ein Paar, doch durch Eifersucht und Lizzies Laudanumsucht ist es keine glückliche Beziehung. Schließlich bringt die junge Frau sich durch eine Überdosis des Schmerzmittels um, in ihrem Herzen voller Vorwürfe gegen ihren Ehemann. Ich habe echt keine Ahnung warum, aber Frau Klüvers Art solche Tragödien zu erzählen berührt mich immer wieder tief. Es lässt sich nicht alles logisch und kritisch erklären. Ich bin dankbar dafür, das muss reichen.

Danach versucht ihr Mann Kontakt zu ihr aufzunehmen. Es folgen zahlreiche erfolglose Séancen, bis der Geist schließlich von sich aus zu ihm kommt. Doch sie erscheint als rachsüchtiges Wesen, will ihn ewig heimsuchen und ihm nie wieder Ruhe gönnen.


Die Gründe hierfür sind absolut nachvollziehbar, möchte ich meinen. Damals hat er sehr persönliche Gedichte für sie geschrieben und sie mit ihr beerdigt. Aber später die Leiche exhumiert und sich die Texte wieder geholt, um sie zu veröffentlichen. Wieder einmal waren ihm seine Kunst und der Erfolg wichtiger als die Liebe.


Für Ted und Mysati ist die Sache also klar. Sie will die Gediche zurück. Leider wurden die inzwischen sicher millionenfach verkauft, international. Man kann unmöglich jeden Gedichtband besorgen. An das Originalmanuskript heran zu kommen wird auch schwer. Obwohl, eine Fortsetzung des Romans mit ein wenig Schatzjägerflair hätte mir sicher gefallen. Nun sind nur noch drei (Heftroman)Seiten übrig. Und weil die Autorin unbedingt zum Ende kommen müsste gibt es wieder eines dieser klassischen überstürzten und nicht runden Heftromanenden. Es reicht, sich ein einziges Exemplar zu besorgen und in ihr Grab zu legen. Aber dann gibt es noch haufenweise andere fremde Menschen, die diese intimen Texte lesen können. Wenn ich mich in Lizzie hinein versetze ein Sakrileg. Zumindest das von ihrem Mann handgeschriebene Original hätte sein müssen, der Rest sind nur billige Kopien ohne die Gefühle, die er damals in die Worte gelegt hat. Nein, für mich macht das keinen Sinn. Und ich habe mal gegoogelt, wie lange Holz braucht, um zu verrotten. Selbst wenn der Sarg aus hochwertigem Material bestand und die passende Umgebung einen Verfall stark verlangsamt, sind 150 Jahre so eine Sache. Naja, alles glitzernde Heftromanmagie. So findet Lizzie endlich Frieden, ohne einen klassischen Endkampf. Das passt aber wunderbar.


Das Ende ist mein einziger Kritikpunkt. Und da bin ich mir sicher, dass Anika Klüver das mit ausreichend zur Verfügung stehender Seiten besser gelöst bekommen hätte. Ansonsten wie das letzte Heft wieder ein abgeschlossener Fall der Woche. Der mein Herz berührt hat, das kann die Autorin. Deshalb als Fanboy und Leser eine klare Topnote, aber der Kritiker in mir muss fair sein.

groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen groes Grinsen Baff (9 von 10 Amuletten) ist angemessen. Für einen Fall der Woche möchte ich nicht mehr geben. Als Anika mir damals in der Anderswelt Tränchen entlockte, war es eine fortlaufende Handlung um Branwen und Gryf und ich konnte eine Maximalwertung vertreten.

Naja, es ist nur so neutral wie möglich für das Forum, tief in mir werden Anika Klüvers Geschichten immer einen Platz haben. Oh nein, ich werde gefühlsduselig. Äm, auf zu Andreas Balzers Roman! Hexe



edit: Einmal muss ich die Autorin noch loben. Natürlich lassen sich Zufälle nicht komplett vermeiden. Aber wie ihre anderen Romane ist auch dieser logisch und nachvollziehbar aufgebaut. Die Helden verdienen sich ihren Sieg, sie selbst erarbeiten sich ihn. Ohne dass ein Autor von außen andauernd eingreifen muss.

__________________
Aktuelle Lesereihenfolge:

1. Professor Zamorra
2. Maddrax
3. John Sinclair

4. Dämonenkiller (pausiert bis die Neuauflage aufgeholt hat, was ich aber garantiert nicht solange aushalten werde)

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115808
Sheila Conolly Sheila Conolly ist weiblich
König




Dabei seit: 23.06.2009
Beiträge: 796

19.03.2019 20:40
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Ophelias Rache .... ist eigentlich Lizzie Siddals Rache ...

Während sich Zamorra und Nicole in Edingburgh mit der Geschichte und den Auswirkungen der Serienmörder Burke/Hare auseinandersetzen müssen, machen Ted Ewigk und Mysati Urlaub in London. Dort bekommen sie es während ihrer Besichtigungstour durch die Metropole mit einem Rachegeist in der Tate Britain zu tun; bzw. sind sie eigentlich nur neugierig, was dort passiert ist.
Durch die Kuratorin des Kunstmuseums Lydia King erfahren sie näheres zu dem Mord, der dort geschehen ist und es lässt den beiden keine Ruhe.
Sie kommen durch einige Hinweise und Überlegungen zu dem Schluss, dass dieser Mord möglicherweise eine Übernatürliche Ursache haben könnte und stellen Nachforschungen an, die sie letztendlich in der Tate zum Geist von Lizzie Siddal in Gestalt der Ophelia führen ...

Als erstes muss ich sagen, dass mir wieder absolut bestens gefallen hat, wie hier Grusel und PZ mit einer historischen Begebenheit verknüpft wurde.
Ich hatte mir dazu gar keine Gedanken gemacht, sondern einfach nur begeistert gelesen, bis ich zu dem Wort "Guggum" kam, das mir so gar nichts sagte.
Also hab ich es nachlesen wollen, vielleicht kannte ich den Begriff ja einfach nur nicht, und bin darüber dann auf die Geschichte der Elizabeth Eleanor Siddal und die Präraffaeliten gekommen smile
Und genau sowas finde ich immer echt faszinierend!
Nicht nur aus dem Grund, dass hier wahre Geschichte stimmig mit unseren fiktiven "Dämonenjägern" kombiniert wurde, sondern auch oder ganz besonders das Einfühlungsvermögen der Autorin, sich in diese geschichtlich verankerten Protagonisten wie Hunt, Millais, Rossetti oder Lizzie Siddal hineinzuversetzen und ihr Leben, ihre Gefühle, Gedanken, Erlebnisse, etc. glaubhaft auszuarbeiten und darzustellen ... und zu einem unheimlichen Fall werden zu lassen.

Zu den Ereignissen aus der Vergangenheit gab es dann immer im Wechsel die Szenen, in denen Ted und Mysati herauszufinden versuchen, wer oder was den armen Museumswächter George Abbott den Kopf gekostet haben könnte. Schließlich deutete nichts darauf hin, dass sich dort jemand eingeschlichen hatte, geschweige denn mit einer Waffe hantierte, mit der man solch eine Gräueltat durchführen konnte.
Also schleichen sie sich selbst in die Tate ein, um den Tatort zu besichtigen und dabei trifft besonders Ted auf einen weiblichen Geist, der ihn für jemand anderen namens Gabriel hält und ihm schließlich, durch die magische Beeinflussung eines Gemäldes, drei mit Speeren bewaffnete römische Soldaten auf den Hals hetzt.
Mysati kann ihm gerade noch bestehen, bevor Schlimmeres passiert.
Anschließend überlegen sie, was es mit dem weiblichen Geist, der Ted wage bekannt vorkam, auf sich haben könnte.
Mysati zieht anhand Teds Beschreibungen der Situation im Museum die richtigen Schlüsse, da sie dadurch auf einen Tipp im Reiseführer kommt, in dem von Shakespeares Ophelia die Rede ist. Und die Entstehungsgeschichte dieses Gemäldes von Millais lässt die beiden vermuten, dass das der Grund ist, weswegen Lizzies Geist die Gestalt der Ophelia angenommen hatte.
Zudem hatte Lizzie sich vor dem Unfall in der Badewanne sehr in die Figur der Ophelia hineinversetzt, um so original wie möglich zu sein ... und vielleicht auch, weil sie sich und ihr Leben ein wenig mit dem der Ophelia, die dem Wahnsinn aus verzweifelter Leidenschaft verfiel, verglich. Im Prinzip erging es ihr mit Dante Gabriel Rossetti ähnlich, wobei ihre Abhängigkeit zum Laudanum noch dazu kam.

Nachdem Ted und Mysati nicht mit Zamorra rechnen können, wollen sie selbst etwas gegen den Rachegeist unternehmen. Sie schleichen sich erneut ins Museum ein und machen eine weitere Entdeckung ... Lizzie erscheint und erzählt etwas von einem Liebesbeweis, der ihr genommen wurde.

Rossetti hatte 1862 bei Lizzies Tod sehr persönliche Gedichte mit in ihr Grab gelegt. Sie sollten nur für sie sein und er verzichtete dafür, entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten, auf den Ruhm.
Doch irgendwann hatte er es sich doch anders überlegt und die Gedichte wieder aus dem Grab holen lassen. Lizzies Frieden wurde dadurch empfindlich gestört, weil dieser Liebesbeweis genau das war, was ihr zu Lebzeiten gefehlt und wonach sie sich gesehnt hatte.

Dadurch hatten Gabriels Séancen auch erst keinen Erfolg, denn ihr Geist war ja mit den Gedichten in ihrem Grab erst noch zufrieden und irrte nicht rastlos und besessen von Rache umher.
1870 änderte sich das und sie erschien ihm, um ihn zu bestrafen ... denn 1869 hatte er ihr den Liebesbeweis wieder weggenommen und das Grab öffnen lassen.

Dieser "Diebstahl" geschah auch in Wirklichkeit und man wunderte sich darüber, dass sich Lizzies Haar um die Papiere gewickelt hatten. Als die eigentlich geheim gehaltene Exhumierung doch ans Tageslicht kam, erzählte man als Ablenkung unter anderem, dass das rote Haar der Toten weitergewachsen wäre und den ganzen Sarg ausgefüllt hätte.
Auch im Roman wurde erwähnt, dass das Haar noch immer seine rote Farben besaß ... und der Sarg im Gegensatz zu den Knochen noch nichtmal ansatzweise zerfallen war.
Und gerade in einem Gruselroman passte das hervorragend hinein, denn etwas unerklärbar Mystisches darf bei einer Geistergeschichte ruhig zurückbleiben ...

Lizzie reicht am Ende EIN Gedichtband, um ihren Frieden wiederherzustellen.
Ist auch irgendwie logisch: es ist die Symbolik, die zählt. Gabriel fiel in sein altes Muster zurück, stellte seine Kunst wieder über die Bedürfnisse seiner Frau und nahm ihr den größten Liebensbeweis, zu dem er jemals fähig war .... und nun hat sie ihn zurück. Ich denke auch nicht, dass ihr Geist sich darum gekümmert hat, ob es noch weitere Gedichtbände davon gab oder nicht. Ihr ging es schließlich um diesen speziellen Akt, den Liebesbeweis. Der wurde ihr genommen ... und nun zurückgegeben, so dass sie wieder Frieden finden konnte.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen! Besonders die Passagen der sehr lebendig ge- und beschriebenen Figuren der Lizzie Siddal und Dante Gabriel Rossetti, sowie die Kunst, Wahrheit und Grusel-Fiktion miteinander zu verbinden und zu einem stimmigen Ende zu bringen.
Außerdem war hier durch das Telefonat Ted/Zamorra der Gegenpart zur vorangegangenen Story gegeben.

Eine Sache hätte mich noch interessiert: wie hat Mysati sie ungesehen ins Museum gebracht? Welche Fähigkeiten hat sie denn eigentlich? Da ich nur weiß, dass sie mal "die Herrscherin der Kuppel" war (und noch nichtmal, von was für einer Kuppel), hab ich da wohl in Sachen Mysati noch etwas Nachholbedarf^^
Außerdem tat sich mir anfangs noch die Frage auf, warum Lizzie erst jetzt in der Tate rumspukte und Rache wollte ...
Immerhin hatte sie ihrem Gatten doch angedroht, dass sie ihn bis zu seinem Lebensende heimsuchen würde und ihn noch darüber hinaus an sich binden wollte. Irgendwas scheint da nicht geklappt zu haben ... Fast 130 Jahre später erscheint sie erst wieder. In der Tate. Um Gabriel für seinen Frevel ihr gegenüber zu bestrafen. Hat sie denn nicht bemerkt, dass sich der zweite Teil ihres Plans nicht erfüllt hat, Gabriels Seele auch nach seinem Tod noch zu quälen, an sich zu binden?
Doch dann dachte ich "Was für ein Quatsch, darüber nachzudenken" ... Wenn irgendein Geister- oder Dämonenjäger irgendwann mal irgendwie eine Lösung oder einen Ghost-Seismographen, etc. am Start hat, der netterweise anzeigt, WANN Geister WARUM und WIE irgendwo rumzuspuken gedenken, DANN kann man sich Gedanken darüber machen, warum jetzt, warum nicht schon früher, etc., weil es dann beleg- und nachvollziehbar wird.
Geister sind launenhaft, unberechenbar, nicht wirklich zu durchschauen ... also spuken sie, wann immer es ihnen passt! Und hier passte es Lizzie eben jetzt ... als Ted und Mysati Urlaub machten ... als George Nachtdienst schob und unglücklicherweise zur falschen Zeit im falschen Raum war ... als Ted den Raum in Augenschein nahm, in dem Millais' Bild der Ophelia hing, dargestellt durch Lizzie Siddal, der es vor Enttäuschung nach Rache gelüstete ....
Und ich wurde bestens unterhalten, weswegen diese geisterhafte Story 9/10 Amuletten bekommt smile Daumen_hoch

Das Cover hat was, auch wenn es "nur" in Grundzügen dem Inhalt des Romans entspricht.
Aber man weiß ja nicht, was zuerst da war: das Bild oder die Story? Trotzdem gibt es einen Zusammenhang und es wirkt für sich! smile Daumen_hoch

Die Mystery Times ist auch wieder interessant, denn man bekommt eine Art Interview mit dem Cover-Künstler Dennis Simcott zu lesen (irgendwie kommt mir der Name bekannt vor ... FB oder so?? *grübel)
Und damit bekam ich dann, neben anderen lesenswerten Einblicken, auch direkt schon eine Antwort auf die Frage, was zuerst da war ... Cover oder Story smile
Sehr schön! Daumen_hoch

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