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Unter buntem Herbstlaub versponnen in dunkle Träume Antwort auf diesen Beitrag erstellen  Zitatantwort auf diesen Beitrag erstellen      IP InformationZum Anfang der Seite springen

Unter buntem Herbstlaub versponnen in dunkle Träume

Die Kindheitserinnerung des Raymond Douglas Bradbury


Von den vier Jahreszeiten ist zweifellos der Herbst diejenige, in der die Phantome des Menschen am nächsten sind. Nicht nur Halloween, der Tag der Geister, und Allerheiligen, wo abends manchmal die Gesichter der Verstorbenen durch unsere Fenster blicken, sondern auch die zeitlosen Stunden im klaren Sonnenlicht, wenn die letzten Fäden des Altweibersommers glitzernd durch die Luft wehen. Und wenn am Spätnachmittag die ersten Nebel aufsteigen und sich bereits die Kühle des nahenden Abends fühlen lässt, folgt der eigene Schatten nicht mehr ganz so willig, wie er vielleicht an den sonnendurchglühten Sommertagen folgen mag. In jenen Stunden zwischen Sonnenaufgang und Dämmerung, wenn der einsame Wanderer in den Stunden gebannten Betrachtens der farbenprächtigen Natur manches entdeckt, was seinem Auge bislang verborgen blieb, zeigt sich unsere Seele in oft unbekannter Weise sensitiv und aufnahmefähig für Dinge, denen wir an anderen Tagen wohl kaum Beachtung geschenkt hätten. Wollen wir uns Ray Bradbury auf seinem Spaziergang in seine Kindheit anschießen, lassen wir uns durch buntlaubige Alleen und vorbei an rauchenden Kartoffelfeuern in eine träumerische Vergangenheit führen.

Sicher werden wir unterwegs auch einigen Mitgliedern der Familie Spaulding begegnen, eine liebenswerte Sippe, die die hellen Seiten dieses Lebens versinnbildlicht. Sie haben sich Sinn und Blick für die uns umgebenden Schönheiten und kleinen Weisheiten, wie sie dem täglichen Leben erwachsen, bewahrt. Ein Jahr besteht nicht nur aus einer Reihe von Tagen, Wochen und Monaten, die angefüllt sind mit Tätigkeiten, wie wir sie vielleicht als alltäglich ansehen mögen. So verleben vor allem die Brüder Tom und Douglas ihre Jugend in unbeschwertem Unbefangen, der Privilegien der Kindheit bewusst, nicht aber oberflächlich oder verantwortungslos. Vielmehr wissen sie wohl um die Kostbarkeit des Moments und die Zufriedenheit, die auch kleine Entdeckungen und Freuden bringen. Verantwortung, Ehrgefühl und Respekt vor dem Alter oder den Gesetzen und Bräuchen sind ihnen ebenfalls eigen. Und mit sicherem Gefühl ahnen sie auch, wenn die dunklen Bewohner der herbstlichen Landschaft in die Geschicke ihrer Familie eingreifen wollen. Wie auch Douglas' Großmutter erfahren konnte, als er sich des vampirischen Untermieters Mr. Koberman angenommen hat.

Gerade fährt draußen der Wind ungezügelt in die farbgesprenkelten Bäume und beraubt sie vieler buntgefärbter Blätter, um mit ihnen in der Ferne zu verwehen und sie als bunte Tupfer auf kahler Erde zurückzulassen. Woher dieser plötzliche Windstoß kam? Noch vorhin, als wir auf Douglas' Einladung zu den Spauldings zukehrten, wehte nur eine kühle Brise. Wer weiß, vielleicht ist Cecy wieder unterwegs, hat unsere Gespräche in einem von uns belauscht und sich darüber geärgert.Wer Cecy ist? Es ist nicht ungefährlich, darüber zu reden, doch wollen wir den Löwenzahnwein, den Mrs. Spaulding uns in funkelnden Gläsern eingeschenkt hat, austrinken und unseren Spaziergang fortsetzen. Das Rascheln der Blätter auf den Feldwegen wird unsere Stimmen etwas dämpfen, und wenn unsere Gedanken uns nicht verraten, können wir auch über die Familie Elliot sprechen.

Sie sind die nachtdunkle Seite der Menschen, böse und dämonische Kreaturen, sie alle, bis auf einen vielleicht, den kleinen Timothy. Wie es ihm wohl ergehen mag? Er ist der einzige unter ihnen, den man nicht nur äußerlich menschlich nennen kann. Seine Familie jedoch führte schon im alten Ägypten ihr düsteres Dasein. Inzwischen sind sie aber in alle Winde zerstreut und haben sich unter den sterblichen Menschen eingenistet, um dort ihren dunklen Trieben nachgehen zu können. Nur manchmal, einmal in vielen Jahren, kommen sie zum Familientreffen zusammen, in besonderen Nächten. So vielköpfig wie die Elliot sind, so tausendfältig sind auch ihre Fähigkeiten. Hexen, Blutsauger und Alchimisten gehören zu dieser Schwarzen Familie. Unter ihnen kommt Cecy eine besondere Bedeutung zu, sie vermag es, ihren Geist vom Körper zu lösen und, wie in einen Handschuh, in andere Wesen zu schlüpfen und ihr Denken und Handeln zu übernehmen. Dabei tut sie all das, was ihre bösartige Abstammung, die Stimme ihres schwarzen Blutes ihr zuflüstert.

So kann sie auch in diesem Vogel stecken, der seit geraumer Zeit über uns kreist. Oder in dem großen Hund, der gerade an uns vorbei gelaufen ist. Oh, es ist nicht irgendein großer, brauner Hund, es ist Dog, der Martin, dem kranken Martin, der schon seit Wochen im Bett liegt, die Welt draußen nach Hause bringt. Manchmal holt er auch Besucher für Martin: Lebende Menschen. Und andere. Sieh nur, wie er läuft. Vorbei an der Gruppe Jungen, die dort auf dem abgeernteten Feld ihre prächtigen Drachen steigen lassen. Unter ihnen werden sicher auch Will Halloway und Jim Nightshade sein, Tom und Douglas Spaulding haben ja von ihnen gesprochen. Von ihnen, Wills Vater und dem Zirkus, mit dem das Unheil in die Stadt kam...

Jim und Will sind jeweils das Spiegelbild des anderen, nicht optisch, sondern in ihren Persönlichkeiten, ihren Vorlieben, ihren Ansichten. Und in ihrer treuen Freundschaft zueinander. Bis eines Tages jener Zirkus in die Stadt kam und mit dunklen Lockungen die Kameradschaft zu zerstören drohte. Nur diese unbedingte Treue hat damals verhindern können, dass Menschen starben, anderen Jahre ihres Lebens entzogen wurden und die dunklen Mächte triumphieren konnten. Die Entscheidung fiel damals in einer mondhellen Nacht von seltsamer Klarheit, wie es sie selbst im Herbst nur manchmal gibt.

Und doch liegt eine solche Nacht noch nicht lange zurück, vor kurzem erst, es war die Nacht von Halloween, die von ähnlichem Zauber erfüllt war...

Natürlich waren auch Tom Skelton und seine Freunde mit Maske und Beutel losgezogen, um ihren Spaß noch mit Süßigkeiten zu verschönern. Alle waren sie da, alle, bis auf Pipkin. Und ohne Pipkin gab es keinen Spaß, noch nicht einmal an Halloween. So gingen sie, um Pipkin zu holen, doch der schickte sie zu einem alten Haus und versprach, sie dort zu treffen. Stattdessen treffen sie dort im Haus am Halloween-Baum den seltsamen Mr. Moundshroud, der ihnen den wahren Sinn von Halloween zeigen wollte. Wenn nicht Pipkin aufgetaucht wäre, der dem Tode näher als dem Leben stehende Pipkin und von etwas Großem, Schwarzem fortgetragen worden wäre. In jener Nacht hatten sich Tom und alle anderen aufgemacht, um ihrem Freund beizustehen und ihm das Leben zurückzugeben. Mr. Moundshroud wies ihnen den Weg durch Vergangenheiten, an Orte, längst zu Asche zerfallen, und an die Grenze zur Unendlichkeit. In tiefer Nacht kehrten sie mit Pipkins Leben zurück.

Auch vor uns liegt nun die Nacht. Oder hast du nicht bemerkt, wie während unseres Spazierganges durch Ray Bradburys schwärmerische Erinnerung an eine verzauberte Kindheit unser beider Schatten immer länger wurden, wie über den eben noch golden und rot glühenden Horizont schon die Nacht gekrochen kam und am nun tiefblauen Firmament die ersten Sterne zu leuchten anfingen, in strahlendem Glanz. So lass' uns zurückkehren, in unsere eigenen Träume und Wirklichkeiten, in uns sanft nachklingend, unsere eigenen Erinnerungen. Und noch lange werden wir draußen die Blätter im leisen Wind rauschen hören.


Die lyrischen Phantasien des Ray Bradbury

- Löwenzahnwein (detebe Bd. 21045)

- Familientreffen (detebe Bd. 21415)

- Das Böse kommt auf leisen Sohlen (detebe Bd. 20866)

- Halloween (detebe Bd. 22862)

__________________
Das Haus war ganz still. In weiter Ferne sauste der Wind mit seiner letzten Fracht Fledermäuse über einen Hügel, tönend und zirpend.

06.11.2015 21:33 Olivaro ist offline Email an Olivaro senden Beiträge von Olivaro suchen Nehmen Sie Olivaro in Ihre Freundesliste auf                               Diesen Beitrag editieren/löschen Diesen Beitrag einem Moderator melden IP Information

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